Als 5D Mark II Besitzer erster Stunde war ich bei Ankündigung der 5D Mark III gespannt, ob die “Neue” ein lohnenswertes Upgrade für mich sein könnte (den Anschaffungspreis mal zunächst bewusst außen vor gelassen…). Dank des Internets habe ich bereits vor dem Marktstart einiges an Gerüchten mitbekommen, die für mich verheißungsvoll klangen. Als die Mark III dann verfügbar war habe ich interessiert die ersten Tests und Erfahrungsberichte im Internet verfolgt und was ich las klang vielversprechend. Aber das sagt in der Regel ja erstmal gar nix
Um mir ein vollständiges und vor allem eigenes Bild von der neuen Cam zu machen, beschloss ich, mir über den Vermietshop bei Dinkel-Foto in München – dem Cameradealer meines Vertrauens – die Mark III kurzerhand für ein Wochenende zu reservieren. Diese Gelegenheit wollte ich gleichzeitig dafür nutzen, einige Objektive der L-Linie von Canon ebenfalls zu testen: das 24 1.4er, das 135 2.0er und das 16-35 2,8 IIer (über meinen Eindruck von den Objektiven werde ich noch in separaten Artikeln berichten). Wie ich das von den Mädels und Jungs von Dinkel gewohnt bin war die Reservierung unkompliziert und schnell unter Dach und Fach.
Für den Test hatte ich mir verschiedene Shootings vorgenommen: ein Spaziergang über’s Münchener Frühlingsfest auf der Theresienwiese, ein on-Location-Shoot mit meinen Töchtern sowie eine Shooting mit einem befreundeten Pärchen.
Über die technischen Spezifikationen findet man im Internet tonnenweise Informationen, sodass ich mir an dieser Stelle das Herunterbeten ebenjener Werte und Features einfach spare. Ausschlaggebend für mich sind die Unterschiede zu meiner aktuellen Kamera, der 5D Mark II. Die wichtigsten habe ich für mich so herausgelesen und vorab bewertet:
- Megapixelmäßig hat sich nichts nennenswertes getan – hätte mich auch nicht wirklich interessiert
- Isomäßig berichtet man von merklichen Fortschritten – das höre ich gern, denn Low-Light ist für mich immer ein Thema
- Autofokus… klar AUTOFOKUS!… und dann noch ein richtiger! … zumindest wird das versprochen. Ganz klar: allein dieser Punkt wär mir ein Update wert.
- Sucherabdeckung jetzt 100% – hab ich nix dagegen, die 98% der Mark II sind mir jedoch noch nicht wirklich störend aufgefallen
- Doppel-Speicherkarten-Slot – nicht schlecht, aber warum denn bitte nen windigen SD-Slot als Zweitslot? Hab nur CF in ausreichender Menge…
- Geschwindigkeit in Bildern pro Sekunde – ja auch hier war ich bei der IIer nicht grad verwöhnt, ganz im Gegenteil
- genauerer Belichtungsmesser – immer gut
- größeres Display – schon schön, aber kein unbedingtes Must-have für mich
- diverser Schnickschnack wie HDR-Mode und Zeugs zum Bearbeiten incam: brauch ich einfach nicht

Lange Rede, kurzer Sinn: was ist denn nun mein Eindruck von der “Neuen” in den genannten Punkten?
ISO:
Wow, die neue gibt hier richtig Gas und Aufnahmen bei 3200 oder gar 6400 erscheinen mir zumeist sehr gut brauchbar zu sein
Autofokus:
HAMMER! das oft belächelte AF-System der 5D Mark II ist wirklich nicht das gelbe vom Ei, aber ganz so schlimm wie einige unkten (… der hat ne Canon, die hat keinen AF) war es nicht. Aber mit dem AF der 3er ist Canon endlich im Hier und Jetzt angekommen – ich kann nicht mehr meckern, Speed, Anzahl und Verteilung der Messpunkte und Treffsicherheit haben mich beeindruckt. Auch haben sich die Firmware-Userfacedesigner mal Gedanken gemacht, wie man das AF-Verhalten schnell einfach für Standardsituationen konfigurieren kann.
Sucher:
Auch hier ein ganz klares Lob an Canon, das Suchbild ist nochmal heller und klarer als bei meiner “alten” Cam
Bilder pro Sekunde:
Yep, so macht das Spaß, die 2er kommt mir im Gegensatz dazu wie ne Schnecke vor
Allgemein:
In punkto Kamerabedienung muss man sich als Canonier nicht umgewöhnen, das meiste bleibt wie man es gewohnt ist, was die Eingewöhnungsphase auf die 3er sehr einfach macht. Das Kameradisplay ist toll, obwohl wie oben beschreiben kein must-have muss ich nach der Nutzung sagen, dass es very-nice-to-have ist
… und? Gekauft oder nicht gekauft?
Nicht gekauft, aber ungern
Ich musste schon gegen das Gear Acquisition Syndrom ankämpfen, aber die Vernunft hat gesiegt – bin ja lernfähig
Bei einem Straßenpreis, der momentan immer noch bei ca. 3000,- EUR für das gute Stück liegt, fehlen mir einfach die Argumente für den Kauf.
Denn Hand auf’s Herz: gute Bilder kann ich auch mit meiner 5D Mark II machen – wichtig dafür ist nur, dass ich nicht vergesse, viel fotografieren zu gehen, anstatt mir über mögliche Neuanschaffungen Gedanken zu machen