Im ersten Teil des Artikels lerntet ihr die Leica M9 kennen. Ich denke jeder hat jetzt einen Eindruck wie eine M9 funktioniert und bedient wird. Wie hat sich die Leica in meinem fotografischen Alltag gemacht ? Sie war drei Tage lang mein treuer Begleiter. Ich nahm sie überall mit hin. Etwas das ich mit meiner Nikon nicht tun würde. Alleine aus Gewichtsgründen
Die M9 ist für eine Vollformatkamera sehr sehr klein und leicht. Man kann sie wirklich immer dabei haben ohne dicke Arme zu bekommen. Bei einem kleinen privaten Photowalk durch die Stadt bemerkte ich, das ich nicht als Fotograf auffiel. Sie ist daher ideal für Street Photography geeignet, für diskrete Aufnahmen inmitten der Menschen. Mit einer großen Spiegelreflex schaut dich jeder an, sobald du das schwarze Monstrum ans Auge nimmst und auf ihn zielst. Spätestens wenn das satte laute „Klack“ zu hören ist, fällst du auf.
Nicht so mit der Leica M9. Sie ist klein und das Auslösegeräusch auf der Straße so gut wie unhörbar. Es macht nur ein leises „zzzzzt“
Du kannst sie dir um den Hals hängen, abblenden, am Entfernungsring die passende Tiefenschärfe einstellen und sie beim vorbeigehen in Bauchhöhe auf das Motiv richtend dezent auslösen. Niemand fällt das auf. Ich brachte einige interessante Bilder auf diese Weise zu Stande. Der Nachteil sich die M9 um den Hals zu hängen soll hier aber nicht unerwähnt bleiben. Man sieht damit doch sehr verdächtig nach einem typischen Tourist der 50er oder 60er Jahre aus. Zu allem Überfluss ähnelt man womöglich auch noch einem Studienrat vom Gymnasium, denn die liefen damals oft mit einer Leica rum
Mein nächstes Ziel war ein Volksfest im Olympiapark. Auch hier bewährte sich die Leica als Kamera mit der man diskret die Stimmung und das Ambiente einer Location einfangen kann. Doch das war diesmal nicht mein Ziel. Auf diesem Volksfest gab es ein feines altes Kettenkarussell und auf dem Olympiasee waren Stahlseile gespannt an denen sich Surfer durch den See ziehen ließen. Es ging mir also darum ob ich mit einer M9 auch sich schnell bewegende Motive einfangen kann. Ich war da zuerst skeptisch, erinnerte ich mich doch daran wie schwer mir das in den 80er Jahren mit meiner manuellen fokussierten Canon A1 fiel.
Reine Glücksache war es den Fokus zu treffen. Vergleichbar mit Zen Bogenschiessen. Du musst Eins mit dem Ziel werden, nur dann triffst du auch
Überraschenderweise lief das mit der M9 diesmal besser. Und das liegt sicher nicht daran, das ich damals womöglich ein Zen Novize war und mir einbilde heute ein Zen Meister zu sein. Weder noch. Die Leica lässt sich einfach besser und schneller scharf stellen. Wenn man dann noch ein wenig abblendet, dann erzielt man verblüffend gute Ergebnisse. Selbstverständlich trifft man bei Blende 2.0 den Fokus nicht mehr auf den Punkt. Das war damals nicht möglich und ist auch heute nicht anders. Dies ist die Domäne von schnellen Sportkameras vom Schlage einer Nikon D4. Doch für so etwas ist die M9 nicht gebaut. Für das Kettenkarussell bei Blende 4.8 im Bildteil des Artikels ist sie aber allemal gut genug.
Nach einer kurzen Pause mit einer kleinen Tüte gerösteten Mandeln zog ich weiter in die BMW Welt. Es war ein Tag mit strahlendem Sonnenschein. Wer die BMW Welt kennt, der weiß wie dann die Lichtstimmung in diesem Gebäude aussieht. Extreme Schatten und helle Flächen. Da sind moderne Matrixmessautomatiken oft überfordert. Das kann ich besser und die Leica mischt sich da auch nicht ein. Sie kennt ihre Grenzen. Mittlerweile war ich fast „Eins“ geworden mit meiner kleinen Leica. Ihre Bedienung gibt keine Rätsel auf. Alles sitzt da wo ich es intuitiv erwarte. Ich nahm die Kamera ans Auge um eine Werbung für BMWs Mini Autos ins rechte Licht zu rücken. Ich setze die Kamera wieder ab und dachte kurz darüber nach, wie ich das Bild gestalten wollte. Ich nahm sie wieder ans Auge und sah außerhalb des Leuchtrahmens für das 75mm Summicron einen Jungen ins Bild laufen. Das gab mir genau die nötige Zeit den richtigen Moment zu treffen. Ich fokussierte nach und löste aus als er an der zweiten Schattendiagonale vorbei lief. Mit meiner Nikon hätte ich diesen Moment wohl verpasst.
Am dritten Tag gab ich die Leica wieder an ihre Eigentümer im Leica Store zurück. Ich möchte mich an dieser Stelle nochmals herzlich bei Leica bedanken. Sie gaben mir die Möglichkeit eine Zeitreise zu machen. Eine Zeitreise in eine Zeit in der die ernste Fotografie den Fotografen noch mehr gefordert hat wie heute. Eine Zeit in der er noch selbst über alles entschied und sich nicht auf Automatiken verlassen konnte. Eine Zeit in der es nur auf die Bildsprache ankam und HDR, Effektfilter oder Lightroom Presets unbekannt waren. Ja, die moderne Technik erlaubt Bilder, die mit einer Leica M nicht möglich sind. Keine Frage. Ich werde auch weiterhin mit meiner D700 fotografieren. Doch es kommt immer darauf an wie man die Technik nutzt. Oft ist weniger mehr
Die Leica M9 ist eine Art Fossil. Aber ein Fossil das bei den wirklich wichtigen Dingen der Fotografie auf dem Stand der modernen Technik ist. Ich wünsche uns Fotografen das Leica die M Kameras weiter entwickelt und auf dem Stand der Technik hält. Sie ist ein Solitär in unserer schnelllebigen Zeit. Ein Original das gegen den Strom schwimmt. Ich trennte mich nur ungern von ihr.
Für mich war die M9 eine „Zeitmaschine“ Sie erinnerte mich wieder daran was letzten Endes alleine zählt. Und das ist nur das was hinten rauskommt: Das bewusst gestaltete gute Bild !


















