Neulich stellte uns Leica freundlicherweise eine M9 für Testzwecke zur Verfügung und ich nutzte die Gelegenheit um die Kamera näher kennen zu lernen. Die meisten Leser dieses Blogs wissen, dass die Leica M9 eine Ausnahmeerscheinung in der Welt der modernen Kameras ist. Ihr fehlen all die vielen technischen Raffinessen, Funktionen und Einstellmöglichkeiten heutiger Spiegelreflexkameras. Sie ist ein minimalistisches Werkzeug, gemacht für Fotografen die sich auf das Wesentliche in der Photographie konzentrieren wollen; das Bild und seine Gestaltung. Womit ich natürlich nicht sagen will, das nur Leica M9 Fotografen das tun
Doch durch die fast völlige Abwesenheit von automatischen Programmen und Funktionen ermöglicht sie die volle Konzentration auf das Bild. Sie lenkt dich nicht ab. Wer noch nie mit einer Messsucherkamera gearbeitet hat, der wird sich wohl erst mal schwer damit tun. Sie ist auch nicht für alle Motivwelten die richtige Wahl. Sport und Action z.B. ist nicht ihre Domäne. Ideal ist sie für Reportagefotographie oder auch als kompakte Reisekamera für Leute die Wert auf die Vorteile des vollen Kleinbildformates legen.
Doch genug der einleitenden Worte. Ich berichte nun wie es mir mit der M9 erging. Im Leica Store erhielt ich eine M9 mit einem 35mm f/1.4 Summilux sowie einem 70mm f/2.0 Summicron
Objektiv, sauber verpackt in einer dezenten aber doch robusten Kameratasche. Gleich im Store nahm ich die Kamera in die Hand und schaute ob ich damit umgehen konnte oder vielleicht nicht doch besser eine Einweisung nötig war
Sie war es nicht. Alles an einer M9 ist leicht zu finden und da wo man es auch erwartet. Zumindest für jemand wie mich, der 1983 mit der Fotografie anfing. Für mich war es daher auch eine Art Zeitreise in eine Zeit als es noch keinen Autofokus, keine Matrixmessung und auch keine Vollautomatik gab. Ich nahm die M9 in die Hand und stelle zuerst einmal die Blende am Objektiv ein. Der Blendenring lief butterweich und rastete mit einem dezenten „klick“ auf den Blendenstufen ein. Erinnerungen kamen hoch. Ja, so wurden früher Kameras gebaut. Optische Präzisionsinstrumente, sauber verarbeitet, alles aus Metall, kein Kunststoff … ein Werkzeug eben auf das man sich verlassen kann. Auf meine Nikon 700 kann ich mich auch verlassen, doch an die Verarbeitungsgüte einer M9 kommt sie nicht heran. Das hat natürlich seinen Preis. Früher war das allerdings auch nicht anders.
Doch zurück zur meiner Erfahrung mit der M9. Die ist bekanntlich eine Messsucherkamera. D.h. wenn man durch den Sucher schaut, sieht man nicht wie bei einer Spiegelreflex durch das Objektiv. Man sieht am Objektiv vorbei auf das, was sich vor der Kamera befindet. Im Sucher wird ein Leuchtrahmen eingespiegelt, der zeigt was auf das Bild kommt. Abhängig von der Brennweite des montierten Objektives, spiegelt die Kamera die passenden Leuchtrahmen ein. Dies hat Vor- und Nachteile. Der Nachteil liegt darin, das bei längeren Brennweiten der Rahmen immer kleiner wird. Daher gibt es auch keine langen Teleobjektive wie z.B. ein 300mm. Man sieht aber im Sucher nicht nur das was aufs Bild kommt, sondern auch das Umfeld, das was herum geschieht.
Ein klarer Vorteil bei Reportage um den richtigen Augeblick zu erwischen. Die Belichtung wird entweder völlig manuell eingestellt oder man wählt die Blende am Objektiv und die Kamera stellt selbsttätig die passende Zeit dazu ein. Selbstverständlich gibt es einen Messwertspeicher und auch eine +/- Korrektur. Der wird auch häufig benötigt, denn die Kamera misst das Licht rein mittenbetont Motive vor hellem Hintergrund werden daher oft zu dunkel belichtet sofern sie sich nicht in der Mitte befinden. Die moderne Matrix oder Mehrfeldmessung heutiger Spiegelreflexkameras versucht das automatisch zu korrigieren. Aber auch sie liegt oft daneben. Der Kameracomputer ist eben kein Mensch und weiß nicht was im Bild wichtig ist. Die M9 überlässt diese Entscheidung dem Fotografen denn nur der kann sie bewusst treffen.
Das gilt auch für den Fokus im Bild. Die Entfernung wird manuell am Objektiv eingestellt. Der Fokusring an Leicaobjektiven ist daher wichtig und um Klassen besser wie an den meisten der heutigen AF-Objektive. Bei Leica-Glas ist der Ring durch Erhebungen aus Metall extrem griffig, läuft butterweich und ohne Spiel. Kein Vergleich zu einem Nikkor oder einem Canon Glas. Im Sucher befindet sich mittig ein Rechteck, in dem man das Motivdetail auf das man scharf stellt erst mal doppelt sieht. Der Fokus sitzt sobald diese beide Bilder zu Deckung gebracht wurden. So ähnlich war das 1983 auch bei meiner manuell fokussierten Canon A1.
Nur fällt mir das scharf stellen bei der M9 deutlich leichter, da sie eine viel größere Messbasis hat. Bei einer Spiegelreflex ist die nur so groß wie die Öffnung des Objektives. Dies ist auch ein Grund warum lichtstarke Optiken meist schneller fokusieren. Bei der Leica beträgt die Messbasis fast 7cm und die ist auch völlig unabhängig vom verwendeten Objektiv. Beste Voraussetzungen also, um auch bei schlechtem Licht schnell den Fokus zu finden. Trotzdem könnte dieses manuelle fokussieren viele gerade jüngere Fotografen davon abhalten eine M9 zu benutzen. Wer damit keine Erfahrung hat, der muss erst mal ein wenig üben. Doch das ist schnell gelernt und wer die Technik beherrscht hat auch hier wieder einen großen Vorteil. Er weiß was er sieht und worauf der scharf stellen will. Selbst das ausgeklügelte AF-System meiner Nikon D700 irrt sich oft und stellt auf wer weiß was scharf. Es kann eben nicht „sehen“. Es ist nur ein „dummer“ Automat.
Wie meine Erfahrung mit der Leica weiter ging, könnt ihr im zweiten Teil des Artikels lesen.
- Leica M9-P































