Im Folgenden ein Gastbeitrag von Jessica Lang über ihre Reise nach Island, es geht los mit dem ersten von vier Teilen:
„Im Mai? Da ist’s doch saukalt! Spinnt Ihr?“
Solche und ähnliche Kommentare bekam ich von „Nichtfotografen“ zu hören. Seufzen, selige Blicke und begeisterte bis neidische Gesichtsausdrücke waren die Reaktionen aus der Fotoszene…
Anfang Mai 2012 stehe ich mit meinem Mann und zwei voll gepackten Koffern am Münchner Flughafen. Draußen hat es etwa 25 Grad und wir tragen dicke Pullover und winddichte Jacken, damit meine Fotoausrüstung auch in die Koffer passt. Der Sicherheitscheck meines Handgepäcks zieht sich aufgrund der genauen Kontrolle meiner zahlreichen Objektive ewig hin und ich kassiere empörte Blicke der anderen Passagiere. Ich schmeiße die teure Fracht doch nicht einfach in einen Koffer, damit dieser verschlammt wird. Ganz sicher nicht…! Während mir der Schweiß den Rücken runterperlt, liegt mir ein „Juhu-Schrei“ auf der Zunge, immerhin erfülle ich mir hier einen Lebenstraum…drei Wochen Rundreise in Island.
Dann ist es soweit, die Maschine startet mit viel Wackelei und mein Mann sitzt etwas erblasst und schweigend auf seinem Platz. Der Blick auf das vorsommerliche Deutschland ist toll. Der Blick auf das schöne Finnland ist herrlich. Der Blick auf das sehr verschneite Norwegen verursacht bei mir eine leichte Nervosität. Über dem Meer dann dichte Wolkendecke. Wir merken, der Flieger verliert etwas an Höhe und mich erfasst beim Blick aus dem Fenster ein riesiger Schreck. Unter mir erstreckt sich eine gigantische Insel aus Schnee und Eis. Sonst sehe ich nichts – nur Schnee und Eis. Oje! Ich denke an meinen Kofferinhalt und überlege, wie ich mich hier ausreichend warm halten soll, so hatte ich das nun doch nicht erwartet. Ich lehne mich zurück und überlege, wie ich meinem Mann diese Fehlinformation aus dem Reiseführer schmackhaft machen kann.
Wir landen… Reykjanes Halbinsel, Flughafen Keflavik. Unseren isländischen Erstkontakt haben wir am Flughafen mit der Autovermietung. Prima, die sprechen fließend englisch und sind sehr nett. Mit dem fröhlichen deutschen Gruß „Viel Spaß und schönen Aufenthalt“ werden wir auf den Parkplatz geschickt und finden schnell unseren süßen kleinen VW-Polo, den mein Mann gleich ins Herz schließt. Ein deutsches Auto! Heimatgefühle…
Draußen ist es windig, aber es hat milde 10 Grad und von Schnee keine Spur. Durchatmen. Auf geht es Richtung Reykjavik. Knapp 50 km sind es zum Hotel. Die Ringstrasse, die einmal um die gesamte Insel führt, ist hier perfekt ausgebaut. Die Umgebung am Straßenrand erscheint unwirklich. Eine Mondlandschaft! Lavafelder soweit das Auge reicht…Kein Baum, kein Strauch, kein Haus, kein Mensch. Nur Lava und Moos. Rechts tauchen zwei kleine Ortschaften mit Wellblechhäusern auf. Dann endlich fahren wir durch die zwei Vorstädte, die Reykjavik vorgelagert sind. Eigentlich merkt man gar nicht, dass das unterschiedliche Städte sind.
Wir finden ohne Probleme unser erstes Hotel und werden auch dort in Deutsch begrüßt. Nachdem wir unser schönes Zimmer in Beschlag genommen haben, machen wir einen Spaziergang durch die bunte, kleine Hauptstadt und genießen das nordische Flair. Wir suchen vergeblich nach Mac Donalds oder Burger King, denn nach der langen Anreise haben wir heute schlicht keine Lust auf kulinarische Experimente. Irgendwann zieht es uns hungrig in eine nette Pizzeria und mein Mann entspannt sich bei einer 8€-Flasche Tuborg. Nach dem leckeren, aber teuren Essen kehren wir müde ins Hotel zurück und fallen erschlagen ins Bett.
Das Abendessen treibt mich in dieser Nacht zweimal aus dem Bett. 23.30 Uhr abends – – Sonnenuntergangsstimmung! 2:30 Uhr morgens – Die Sonne ist aufgegangen!



























