Photowalking Munich

Gemeinsam Fotografieren in und um München

Michael von Hassel

im Interview mit Conny Haas

Im Jahre 1978 geboren, arbeitete der Diplom-Kaufmann einige Jahre als Banker in München und London, bevor er sich ganz seiner Passion der Fotografie widmete. In seinen Arbeiten inszeniert von Hassel nichts, sondern dokumentiert vielmehr seine Gegenwart, so wie sie ihm erscheint. Mit seiner Bildsprache verbindet er Sichtbares und Unsichtbares. Er zeichnet Momente.

 

Neben zahlreichen Ausstellungen sind Michael von Hassels Fotografien mittlerweile Bestandteil vieler privater wie institutioneller Kunstsammlungen. 2009 hat er, gemeinsam mit den Künstlern Judith Grote, Maximilian Westphal und Florian Walter, den Preis für den besten zeitgenössischen Künstler auf der Kunstmesse Hot Art Fair in Basel gewonnen. Er hat bereits etliche Ausstellungen im In- und Ausland begeben. Der Foto-Autodidakt ist eines der jüngsten Mitglieder der renommierten Galerie für Fotokunst Camera Work in Berlin und reiht sich ein in einen handverlesenen Kreis der weltbesten Fotokünstler.

Einen „Moment seiner Zeit“ schenkt er uns. Den Moment der Schirmherrschaft für den ersten Fotomarathon in München. Wir sind stolz, von Herzen dankbar und glücklich, ihn an unserer Seite zu haben.

 

Dies hat uns dazu bewegt, ein Interview mit ihm zu führen, um mehr über den Menschen zu erfahren, der sich hinter Michael von Hassel (www.michaelvonhassel.de ) verbirgt.

 

 

Interessante Eindrücke und sicherlich auch Gedankenanstöße findet Ihr im nun folgenden Dialog:

 

Welches waren Deine ersten Berührungspunkte mit der Fotografie?

Da spielt sicher mein Vater die wichtigste Rolle. Er hatte sich von seinem ersten selbst-verdienten Geld eine Rollei gekauft und damit hat er sein ganzes Leben lang tolle Aufnahmen gemacht. Die Geräusche des Auslösers und das der Kurbel für den Filmtransport und den Verschlussaufzug sind mir ganz tief in die Erinnerung eingebrannt. Wahrscheinlich hab‘ ich deswegen als Kind auch immer aus Lego „Kameras“ gebaut und lief mit „Klick, Klick, Klick“ durch die Gegend. Meine erste Kamera war dann eine Ritsch-Ratsch-Kamera von Agfa. So ging’s wohl los.

 

Was hat Dich dazu bewegt, auszusteigen aus der Banker-Welt und einzutauchen in die Materie der Fotokunst?

Das waren mehrere Dinge, die gleichzeitig passierten. Zum einen hatte ich nach meiner Bank-Zeit noch ein BWL-Studium drangehängt. Die einzig für mich wirklich lebensentscheidende Vorlesung war dann „Positive Psychology“. Tja und hier geht es darum, wie man sein stärkstes Talent herausfindet bzw. was man mit seinem Leben eigentlich anfangen soll, um glücklich zu werden. Am Ende des Kurses hatte ich selbst herausgefunden, ich bin am glücklichsten, wenn ich fotografiere und die Arbeiten dann auch zeigen kann. Zum zweiten wollte eine gute Freundin (Beste Grüße an Susi!!!), dass ich in Ihrer „Classic Bar“ eine kleine Fotoausstellung realisiere. Naja, diese war dann gleich so erfolgreich, dass ich schon vor der Vernissage eine zweite Ausstellung an Land gezogen hatte. Damit kamen dann auch die ersten Sammler und schließlich auch die erste Galerie, die auf mich aufmerksam wurde. Seitdem lebe ich sehr gut von der Fotokunst.

 

Was inspiriert, fasziniert Dich?

Schwierige Frage. Eigentlich versuche ich lediglich ganz unbeschwert und neugierig mit offenen Augen in den Tag und durch die Welt zu gehen. Idealer Weise habe ich immer eine Kamera dabei, denn ich glaube, gute Motive finden den Fotografen, nicht umgekehrt. Diese Auffassung habe ich mir von einem anderen Fotografen geklaut und dessen Name natürlich vergessen. Aber diese Einstellung gefällt mir gut. Ich will nichts inszenieren, sondern meine Realität interpretieren und dokumentieren.

 

Welche Inhalte/Bilder sprechen Dich am Meisten an?

Ich werde oft gefragt „Was fotografierst Du?“ … Dann antworte ich immer „schöne Bilder und ich mache keine Portraits“. Ich will mich nicht unbedingt mit Individuen beschäftigen bzw. verantwortlich zeichnen für Bilder von Menschen. Ich mag‘ aber alles andere und am liebsten streife ich alleine durch die Welt und lass‘ mich finden von etwas Kraftvollem.

 

Welche Kriterien wendest Du bei der Bilderauswahl an?

Während der Fotografie entscheidet das meistens der Bauch. Wenn es um Auswahl von Motiven für eine Ausstellung geht, dann lass‘ ich mich gerne beraten. Eine objektive Betrachtung der Bilder ist mir ja nicht möglich. Bei der Aufnahme von z.B. einem besonders guten Bild war ich vielleicht schlecht gelaunt oder gestresst und schätze dann das Bild vielleicht schlechter ein, als es eigentlich ist. Eine zweite Meinung hilft da sehr. Wichtige Ratgeber sind mir dann natürlich meine Freundin, mein Laborant, der Galerist oder auch schon mal ein langjähriger Sammler.

 

Auf was legst Du besonderen Wert?

Meine Bilder sollen immer Bilder von mir sein. Ich hab‘ mir eine besondere Bildsprache angeeignet. Man soll stets erkennen, das da an der Wand ist ein „echter Hassel“. Tja und das passiert immer öfter und das freut mich natürlich.

 

Gibt es prägende Fotografen, Künstler oder auch Vorbilder?

Natürlich. Da geht es aber mehr um Lebens- oder Geschäftsmodelle. In der Fotografie will ich gerne so fotografieren, wie ich und nicht wie jemand anders.

 

Deine Bilder sind „bunt und voller Leben“… willst Du uns erzählen, wie Du diese technisch erstellst, gibt es auch Werke in Schwarz/Weiß?

Nein. :) Früher hab‘ ich mal in S/W gearbeitet. Da kam dann Olaf Otto Becker in eine Ausstellung und sagte so ungefähr: „Du hast schon den Erfolg, den Du verdienst. Das ist alles ganz gut. Aber Du machst es Dir schon verdammt einfach, wenn Du die Farbe weglässt.“ Das hat mich im ersten Moment ziemlich geärgert, weil er selbst doch damals nur schmelzende Gletscher mit hellgrauem Himmel im Hintergrund und dunkelgrauen Wasser im Vordergrund fotografierte. Seine Bilder waren also auch nicht sonderlich bunt. Aber er hatte natürlich vollkommen recht. Ein schwarz-weiß-Foto zu machen und das dann als „Fotokunst“ zu präsentieren, das ist ziemlich einfach. Etwas in Farbe abzuliefern und das dann als „Fotokunst“ bei den Sammlern an die Wohnzimmerwand zu bekommen ist wesentlich schwieriger und daher reizvoller. Aber vielleicht ändere ich das mal wieder. Mal sehen.

 

Du wendest sowohl die digitale als auch die analoge Fotografie an. Was reizt Dich mehr oder kommt es auf die jeweilige Situation/Idee an?

Das kommt in der Tat auf die Situation drauf an. Ich habe gerade in unserer Sammlung historischer Kameras gewühlt und mir eine ganz bestimmte Analog-Kamera vorgenommen. Mal sehen was damit passiert in den nächsten Wochen.

 

Hast Du ein Ziel bei der Kreation Deiner Bilder, was oder wen willst Du erreichen bzw. vermitteln?

Ach, ich will einfach nur meine Bilder machen. So lange es Menschen gibt, die das gerne haben möchten, ist alles gut. Große Ziele zu haben halte ich eher für naiv. Es kommt dann doch anders. Fleißig bin ich, aber eben lieber heute als für Morgen. Was da kommt, weiß der Himmel. Man kann einfach immer nur versuchen, seinem Schicksal eine Chance zu geben.

 

Welches sind Deine Kunden oder auch Auftraggeber?

Also „Auftraggeber“ habe ich nicht. Man kann mich nicht buchen. Ein Interessent kann höchstens mit mir gemeinsam eine Idee entwickeln und dann versuche ich das umzusetzen – mit der Betonung auf „versuchen“. Meine Kunden sind alle verschieden: da gibt’s die Superreichen und solche die sich das Bild vom Mund absparen. Es gibt institutionelle Sammler (ein paar Dax-Konzerne z.B.) oder Privatsammler. Es gibt Botschafter, CEOs bekannter Konzerne, Schauspieler, Berühmt- und Unberühmtheiten.

 

Wo und wann kann man Deine Werke live erleben?

Gerade ist eine große Ausstellung in Berlin zu Ende gegangen. In 2012 war ich außerdem schon in Moskau und in Mumbai. Jetzt reicht’s erst mal. Live kann man die Arbeiten nach Vereinbarung in den Galerien sehen oder man muss mich direkt kontaktieren. Bei wirklichem Interesse kann man dann gerne auf einen Himbeerkuchen zu mir kommen.

 

Gibt es anstehende Projekte, über die Du bereits heute sprechen möchtest?

Die Liste ungelegter Eier ist furchtbar lang und über solche redet man ja nicht, nicht wahr? Aber wer mir seine Adresse übermittelt, wird dann gerne eingeladen.

 

Vermittelst Du dein Wissen innerhalb Workshops oder Literatur?

Nein. Ich bin ein ganz schlechter Lehrer.

 

Unsere letzte Frage an Dich betrifft die Schirmherrschaft für den ersten Fotomarathon in München. Was hat Dich motiviert, uns zu unterstützen und hinter uns zu stehen?

Ich mag es mich mit „Machern“ zu umgeben. „Beweger im Herzen“ sind mir wichtig und ich glaube, wenn man zusammen arbeitet, dann haben alle mehr davon, als würde man einzeln und nur für sich kämpfen. Man weiß nie, was kommt. Aber gute Energie, Fleiß und etwas, was andere Menschen zusammen und weiterbringt ist immer wert unterstützt zu werden. Außerdem liegt mir die Fotografie natürlich am Herzen. Es ist eine so alte Technik und doch machen Menschen jeden Tag was tolles Neues draus. Ich bin mir sicher, beim Fotomarathon kann ich sicher selbst noch viel lernen. Unser Projekt passt auch wunderbar in unsere Zeit, wo sich Menschen mit gleichen Interessen übers Netz finden, darüber Erfahrungen austauschen und ganz einfach Dinge zusammen machen. In diesem Sinne wünsche ich dem ersten Fotomarathon München 2012 gutes Gelingen, viele Teilnehmer und noch mehr tolle Ergebnisse.

 

 

 

Lieber Michi,

zur Abrundung dieses Interviews soll Dich als Zeichen unserer Wertschätzung ein herzliches Dankeschön erreichen. Danke für diesen Moment Deiner Zeit, Deines neben, bei und zu uns Stehen.

 

Dein Team von Fotomarathon München

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von conny am 20.06.2012Kommentieren

            

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