- Wann: Samstag 25. Februar 2012, 15.00 Uhr
- Wo: Giesing
- Treffpunkt: Pilgersheimer- , Ecke Humboldtstraße (Haltestelle: Ubahn Kolumbusplatz / Bus Humboldtstraße)
- Afterwalk: Kaffee Giesing, Bergstraße 5
- Motto: Arbeiterviertel München
- Tag für Flickr Fotos: photowalkingmunich:event=47
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Diesen Monat führt uns unsere Kameralust ins Arbeiterviertel von München – nach Giesing.
Und gleich mal vorweg: Es gibt keine Teilnehmerbegrenzung!
Dennoch unsere Bitte an Euch alle, Euch in unserem Anmeldelink einzutragen, damit wir in etwa den Überblick behalten.
Zur Einstimmung ein paar geschichtliche Daten bezüglich Giesing:
Urkundlich erwähnt wurde der Ortsname Giesing erstmals im Jahre 790, als ein Priester namens Icho sein ererbtes Besitztum zu »Kyesinga« der Freisinger Bischofskirche schenkte. Ausgrabungen belegen, dass im Bereich der heutigen Ichoschule bereits im 6. Jahrhundert eine Ansiedlung von etwa 60 Einwohnern existierte.
Bei der Gemeindebildung in Bayern 1818 wurde Giesing – eigentlich Obergiesing und die Dörfer Harlaching und Menterschwaige – zur Landgemeinde. Der Ortsteil Untergiesing war vier Jahre zuvor der Au zugeschlagen worden. Im Alltag verschwommen bald die Grenzen zwischen Au, Untergiesing und Obergiesing, im Bewusstsein der Menschen lebten sie allerdings als soziale Abstufungen weiter. Bis heute fragen Münchner gerne, ob man denn nun in Obergiesing – das nach wie vor als Arbeiterviertel gilt – oder in Untergiesing – das derzeit eine Aufwertung erfährt – wohnt.
Dass Obergiesing einst ein Arbeiterviertel war, sieht man zum Teil auch heute noch: Neben den kleinen Siedlungen rund um den Fasangarten gibt es oberhalb des Giesinger Berges noch immer viele eher trostlose Wohnblocks. Allerdings auch einige durchaus schöne Ecken.
1964 entstand in der Tegernseer Landstraße 64 das Kaufhaus Karstadt (später Hertie), das im August 2009 geschlossen wurde.
Die Eröffnung des Giesinger Bahnhofs 1898 machte auch Obergiesing zu einem interessanten Wirtschaftsstandort. Zu den bedeutenden Firmen, die sich hier niederließen, zählten zu Beginn der 1920er Jahre die Firma Agfa in der Tegernseer Landstraße und die Friedrich Merk Telefonbau GmbH in der Warngauer Straße.
Das Arbeiterviertel Obergiesing war zur Zeit der Münchner Räterepublik 1919 Schauplatz von Gefechten zwischen der „Roten Armee“ und Weißgardisten.
Nach 1933 bezogen die Nationalsozialisten in Obergiesing Quartier. An der Tegernseer Landstraße entstand mit der Reichszeugmeisterei das größte Dienstgebäude der NSDAP. Die Strafanstalt Stadelheim (erbaut 1892) wurde zur zentralen Hinrichtungsstätte. Allein 1.200 Hinrichtungen durch Strang und Fallbeil sind während dieser Zeit dokumentiert. Die letzte Hinrichtung erfolgte am 13. April 1945. Auf dem Friedhof am Perlacher Forst direkt neben dem Gefängnis wurden die Hingerichteten begraben – so auch Sophie und Hans Scholl und Christoph Probst von der Widerstandsgruppe “Weiße Rose”.
Obergiesinger Betriebe beuteten Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge aus und Giesinger Bürger wurden systematisch verfolgt, entrechtet und ermordet. So wurde die Sinti-Familie Höllenreiner, die in der Deisenhofener Straße 64 lebte und dort ein Fuhrunternehmen betrieb, 1943 in das »Zigeunerlager« im KZ Auschwitz deportiert. Nur wenige Familienmitglieder überlebten und kehrten nach dem Krieg nach Giesing zurück. Angesichts der unerträglichen Diskriminierungen sahen sich jedoch etliche Giesinger Bürger gezwungen, ihre Heimat zu verlassen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg ließen sich die US-Truppen in Obergiesing nieder. Sie prägten den Stadtbezirk mit. So eröffnete zum Beispiel im Dezember 1971 Deutschlands erster McDonald’s in der Martin-Luther-Straße 26. Der Abzug der US-Truppen 1992 bedeutete einen Einschnitt: Die ehemalige »Amisiedlung« wurde jetzt von Münchnern bezogen, in die McGraw-Kaserne mietete sich die Münchner Polizei ein, die Blöcke zwischen Chiemgaustraße und Quirinplatz wurden saniert und zum Teil mit Einrichtungen für Behinderte belegt.
Am 17. Februar 2008 verfolgten circa 15.000 Zuschauer die Sprengung des 52 Meter hohen Agfa-Hochhauses an der Tegernseer Landstraße. Das ehemalige Agfa-Gelände wird als Wohn- und Gewerbepark umgestaltet.
Giesing wird derzeit saniert, und Mietshäuser in teures Eigentum umgewandelt. Aber zum Glück gibt es sie noch, die ursprünglichen Ecken.
1936 wurde Giesing schließlich in Obergiesing und Untergiesing-Harlaching geteilt, das änderte allerdings wenig daran, dass im Bewusstsein der Bewohner Giesing ein Viertel blieb.
Bekannte Persönlichkeiten, die aus Giesing kommen: Der Jazzmusiker Max Greger (geb. 1926) und Fußballlegende Franz Beckenbauer (geb. 1945).
Quellen
http://de.wikipedia.org/wiki/Giesing_(M%C3%BCnchen)
http://www.muenchen.de/Rathaus/kult/stadtgeschichte/kgp/obergiesing_fasangarten/00_einfuehrung.html
http://www.sueddeutsche.de/muenchen/muenchner-stadtviertel-giesing-geschichte-daten-fakten-1.1101616
Bilder: Dagmar Köhler (Alle Rechte vorbehalten)

























