Die Nikon D800 und D800E Kameras ermöglichen mit ihrem 36 Megapixel Vollformatsensor eine Bildschärfe und Auflösung, die bisher nur im Mittelformat zur Verfügung stand. Um dieses Potential auch tatsächlich auf den Bildschirm respektive Fotoabzug zu bekommen, muss man allerdings auch die richtige Aufnahmetechnik beherrschen.
Es handelt sich dabei grundsätzlich um nichts Neues. Es sind die guten alten und bewährten Techniken, die wir schon immer nutzen um wirklich scharfe Bilder zu erhalten. Natürlich ist man oft zu bequem, macht es sich einfach und die Bilder sind trotzdem meistens gut. Der Autor nimmt sich hier ausdrücklich nicht aus
Doch eine 36 Megapixel Kamera verzeiht keine Nachlässigkeiten. Sie entlarvt gnadenlos jeden faulen Fotografen
Erinnern wir uns also wieder daran worauf man achten muss.
Regel 1: “Verwende ein Stativ”
Mit der D800 führt selbst die leichteste Kamerabewegung zur Verwacklungsunschärfe. Oder anders gesagt. Wer mit einer D800 wie mit einer 12 Megapixel Kamera umgeht, der bekommt auch nur die Bildschärfe einer 12 Megapixel Kamera. Der Einsatz eines stabilen Statives ist also unabdingbar sofern man nicht mit wirklich sehr kurzen Belichtungszeiten arbeiten kann. Die alte Regel Kehrwert der Brennweite reicht hier nicht mehr. Nikon sagt dazu “Select a shutter speed slightly faster than you would choose when photographing the same subject with other cameras” Ich wäre da vorsichtiger und würde mindestens einen vollen Lichtwert kürzer belichten. Also bei einem 200mm nicht 1/200 sondern 1/400 Sekunde.
Regel 2: “Verwende die Spiegelvorauslösung”
Selbst bei kurzen Zeiten kann der Spiegelschlag während der Aufnahme zu unscharfen Bildern führen. Es ist daher ein gute Idee die Spiegelvorauslösung bei Aufnahmen mit dem Stativ zu nutzen. Selbstverständlich muss die Kamera auf dem Stativ mit Fernauslöser ausgelöst werden. Alternativ kann man auf dem Stativ auch mit Live View arbeiten, denn da wird der Spiegel auch lange vor der Aufnahme hochgeklappt.
Regel 3: “Niemals zu stark abblenden”
Durch abblenden erhöht man die Schärfentiefe, die Bilder werden schärfer und kontrastreicher. Blendet man allerdings über die “förderliche” Blende hinaus ab, so kommt es im Objektiv zur Diffraktion (Beugungseffekte an der Blendenöffnung) des Lichtes und die Schärfe nimmt wieder ab. Jedes Objektiv hat eine andere “förderliche” Blende. Meist bewegen wir uns hier zwischen f/5.6 und f/8. Dieser Effekt ist auch mit einer guten 18 Megapixel Kamera zu sehen, wenn man genau hinschaut. Doch bei der D800 fällt er sofort ins Auge. Nikon selbst rät von einer kleineren Blende wie f/11 ab.
Regel 4: “Äusserste Sorgfalt beim Scharfstellen”
Viele verwenden die “schnelle” Methode. D.h. wir fokusieren mit dem mittleren Fokusmessfeld auf das Motivdetail, halten den Auslöser halb gedrückt um den Fokus zu speichern, komponieren dann durch ändern des Bildausschnits das Bild und lösen aus. Dies führt mit einer D800 zu viel Ausschuss und nur wenigen Bildern die richtig fokussiert sind. Also erst das Bild komponieren und DANN das Fokusmessfeld auswählen, mit dem man scharf stellen will. Nikon selbst sagt dazu “Even slight changes to composition may result in the camera focusing on something other than your intended target. Choose the focus point after composing the photograph.”
Regel 5: “Wähle die richtige ISO Einstellung”
Hohe ISO Einstellungen sollte man vermeiden. Wenn nicht anders möglich ist es ratsam die Rauchreduzierung zu deaktivieren oder zumindest auf “low” zu setzen. Andernfalls wird selbst die gute Nikon Rauschreduzierung die Bilderschärfe auf ein Niveau weiter unter die 36 Megapixeln reduzieren. Die D800 ist eben keine Reportage Kamera. Sie ist keine modernere D700 mit vier mal so vielen Pixeln. Sie unterstützt zwar hohe ISO Empfindlichkeiten, aber ihre Domäne ist das nicht. Wie auch beim Mittelformat zeigt sich die bestmögliche Schärfe nur bei unter 1000 ISO. Mittelformatkameras ermöglichen meist nur maximal 1600 ISO. Und deren Pixel sind weit größer wie Die einer D800 mit ihrem Kleinbildsensor. D.h. beim Mittelformat muss die Rauschreduzierung erst viel später eingreifen.
Regel 6: “Verwende nur hochwertige Objektive”
Wirklich gute Objektive sind hauptsächlich deswegen so teuer sind, weil sie richtig scharfe Bilder ohne sichtbare Bildfehler erzeugen können. Ihr Auflösungsvermögen reicht oft weit über das hinaus, was eine 12 oder 18 Megapixel Kamera aufnehmen kann. Mit solchen Kameras kann man daher auch mit billigeren Objektiven meist prima Bilder machen. Bei der D800 ist nun damit Schluss. Die zeigt ihre Schärfe nur mit den Linsen der Oberklasse, die leider ihren Preis haben. Nikon rät unter anderen zu den üblichen Verdächtigen wie einem 24mm f/1.4, 85mm f/1.4, 300mm f/2.8, 600mm f/4.0 oder auch einem Micro Nikkor 105mm f/2.8 Das günstigste empfohlene Zoom-Objektiv in der Liste ist ein Nikkor 24-120 f/4.0 . Auch ein 14-24, 24-70 oder 70-200 f/2.8 sind geeignet, sofern man nicht mit offener Blende arbeitet.
Alle diese Regeln gehören seit langem zu den “Best Practices” der Fotografie. Zumindest wenn es um fein aufgelöste hochwertige Bilder ging. “Fine Art” sozusagen. Wenn man sie verletzte liesen sich trotzdem oft brauchbare Ergebnisse erzielen. Doch wie eingangs gesagt. Eine Nikon D800 verzeiht nichts. Hier ist Gründlichkeit, Präzision und sauberes arbeiten angesagt. Nur so spielt diese Kamera ihre Stärken aus. Nur so werden Bilder möglich, die man bisher nur in der Mittelformatfotografie sehen konnte. Wer aus der Welt der Studiofotografie mit Mittelformat kommt, der wird sagen: “So arbeite ich doch immer schon mit meiner Hasselblad. Warum soll das mit dieser “kleinen” Nikon nun anders sein”
Im D800 Technical Guide wird im Detail erläutert wie man diese allgemeinen Regeln mit einer Nikon D800 einhalten kann.
Die D800 kann derzeit schon bei Amazon vorbestellt werden.



















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