Photowalking Munich

Gemeinsam Fotografieren in und um München

Im Teil 1 wurden schon die ersten Grundlagen von RAW dargestellt, nun geht es weiter.

Stehen geblieben waren wir mit der Tonwertkorrektur.

Je nach dem wie der Kamerahersteller das richtig findet entsteht dabei ein Bild mit viel oder mit weniger Helligkeitskontrast. Im letzten Schritt erhöht die Kamera noch die Farbsättigung nach ihrer Vorstellung und schärft das Bild. Denn durch den Trick aus den roten, grünen und blauen Pixeln ein Bild mit allen Farben zu berechnen, wurde das Bild ein wenig unscharf.

Das Bild wäre nun soweit fertig. Jeder Pixel besteht jetzt aus drei 12 Bit oder gar 14 Bit Zahlen für die drei Grundfarben Rot, Grün und Blau.

Ein JPG Bild ist final

Eine 12 Bit Zahl kann 4096 Farbabstufungen repräsentieren. Eine 14 Bit Zahl sogar deren 16384. Diese Auflösung reicht aus um feinste Helligkeitsänderungen eines Bildes sauber und ästhetisch wieder zu geben. Leider passiert nun in der Kamera etwas schreckliches. Sie muss das Bild im JPG Format abspeichern. Dieses Format erlaubt zwar sogar eine 16 Bit Auflösung pro Farbe, leider nutzt das aber keine Software die dem Autor bekannt wäre. JPG Standard sind 8 Bit pro Farbe. D.h. der arme Kameracomputer muss das schöne, fein abgestufte und genaue Bild, das er im Schweiße seines Taktgebers mühsam errechnet hat, in ein krudes 8 Bit JPG Pixelbildchen hinein zwängen. Das ist so wie wenn man aus einem Edelfischfilet Fischstäbchen macht. Schade um die teure Dorade.

Sofern bei all diesen Arbeitsschritten die Kamera richtig entschieden und gemessen hat, kommt dabei ein JPG Bild heraus das durchaus schön anzusehen ist. Falls aber die Belichtung zu knapp oder zu reichlich war, die Farbtemperatur falsch gemessen wurde, die Tonwertkorrektur zu stark oder zu schwach erfolgt ist, oder die Interpolation der Farben aus Rot, Grün und Blau schlampig berechnet wurde, dann ist alles aus. Dies kann man nachträglich kaum noch ohne Qualitätsverlust korrigieren.

Ein JPG Bild ist final.

Es ist nicht für eine Nachbearbeitung vorgesehen. Doch selbst wenn alles klappt, keine derartigen Misslichkeiten passieren, so wird die Kamera das Bild in der Art und Weise erzeugen, wie es der Kamerahersteller vorgibt. Und das muss nicht nach Eurem Geschmack sein. Vielleicht sind die Farben zu flau oder zu intensiv, vielleicht schärft die Kamera so stark das Bildfehler entstehen. Ihr seid dem kleinen Pixelrechenknecht auf Gedeih und Verderben ausgeliefert. Das ist wie bei einem Fertigmenue aus der Kühltruhe. Schnell zubereitet doch leider schmeckt eines wie das andere. Massengeschmack eben.

 

Lasst uns daher doch besser selbst kochen

Feine frische Zutaten, nach bewährtem altem Rezept zubereitet, ergeben leckere und vor allem bekömmliche Gerichte. Mit einer gut ausgestatteten Küche ist das auch kein Problem. Und die gibt es für unsere RAW Bilder in Form von Programmen wie Lightroom oder Photoshop Camera Raw (Adobe), Aperture (Apple) oder Lightzone (Lightcrafts). Ein Übersicht einiger dieser RAW Konverter Programmen findet sich hier.

Die Programme führen genau wie der Kameracomputer, all die Schritte aus, um aus den RAW Daten der Kamera Bilder zu berechnen die Euren Ansprüchen genügen.  Mit all den vielen Bearbeitungsschritten hat der Kameracomputer ziemlich viel zu rechnen. Dabei muss er sich auch noch gehörig sputen. Er darf sich nicht zu lange mit dem Bild befassen, denn das nächste Bild kann ja jeden Augenblick kommen. Moderne Spiegelreflexkameras schaffen leicht 5 bis 8 Bilder pro Sekunde. D.h. in spätestens 1/8 Sekunde muss die Arbeit erledigt sein. Der kleine Rechenkünstler gibt dabei sein Bestes.

Allerdings kann er mit Eurem Computer zu Hause nicht mithalten. Der ist um einiges schneller. Aus diesem Grunde nehmen die Kamerahersteller Qualitätseinbußen bei der ganzen Rechnerei in Kauf. Ihr könnt es nicht so genau nehmen, denn sonst müsstet Ihr nach jeder Aufnahme 10 Sekunden warten, bevor Ihr das nächste mal auf den Auslöser drücken könnt. Zu Hause am PC ist das nicht nötig. Da steht mehr Rechenleistung zur Verfügung und das Ergebnis muss auch nicht in einer Achtel Sekunde fertig sein. Die Bilder von RAW Konvertern sind daher einfach besser. Besonders in den Details der dunklen Bildbereiche ist das gut zu sehen.

 

Und nun ab zum selber kochen:

Ihr könnt alle wichtigen Parameter wie Belichtung, Farbtemperatur, Farbsättigung ohne Qualitätsverluste nachträglich ändern. Ihr könnt ihre Bilder aufhellen, weil Ihr mal wieder den Blitz vergessen hattet. Ihr könnt Details in dunkle Stellen zaubern, ohne dabei die hellen Bildteile noch heller werden zu lassen. Ihr könnt Euer Bild so aussehen lassen wie Ihr das wollt. Versucht es also einmal. Stellt Euch in die Bilderküche und kocht mit einem RAW Konverter aus der Pixelsuppe der Kamera ein leckeres Gericht mit feinen Geschmacksnuancen. Die Betrachter Eurer Bilder werden es Euch danken.

 

Hier habt Ihr noch eine kleine Auswahl an Kochbüchern zum Thema RAW Workflow bzw. zur Software:

Aperture 3: Das offizielle Handbuch zu Apples Workflow-Software für Fotografen

Aperture 2 – Studentenausgabe: Das offizielle Handbuch zu Apples Workflow-Software für Fotografen

Handbuch Digitale Dunkelkammer: Vom Kamera-File zum perfekten Print – Arbeitsschritte, Techniken, Werkzeuge in der Digitalfotografie

Lightroom 3: Workflow für anspruchsvolle Digitalfotografen

Das Lightroom-Buch für digitale Fotografie: Aktuell zu Lightroom 3: Das Workshop-Buch (Galileo Design)

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von Arndt am 17.11.2010Kommentieren

            

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