Photowalking Munich

Gemeinsam Fotografieren in und um München

so hier folgt der zweite Teil des Erfahrungsberichtes von Sepp über die Leica M9.

Besonderheiten:
Die M9 ist eine Messsucherkamera mit einem Vollformatsensor. Um die hohe Abbildungsqualität der Objektive zu unterstreichen hat man auf das übliche AA Filter verzichtet mit dem Ergebnis, daß die M9 eine unglaubliche Pixelschärfe aufweist. Zusätzlich wurden die Microlinsen am Sensor Rand auf die Leica-Besonderheiten angepasst. Das sorgt dafür, daß die Randschärfe bei digitalen Aufnahmen genauso tadellos aussieht, wie man es auch von Dias, die mit Leica Linsen erstellt wurden, gewohnt ist. Scharfstellen erfolgt natürlich manuell über den hellen Messsucher, man gewöhnt sich schnell daran und kann nach einiger Übung zumindest statische Motive sehr schnell fokusieren.

Für die ganze Kamera gilt „reduce to the max“ was nichts anderes bedeutet als das sie spartanisch ausgestattet ist. Das gilt auch für den Sucher, der nur die Verschlußzeiten anzeigt. Dazu leuchtet noch ein Punkt, wenn die Belichtungskorrektur an ist und das war´s dann auch schon.

 

Verglichen mit dem Menü-Baum meiner Nikon kann man bei der Leica noch nicht mal von einem Menü-Ästchen sprechen. Es sind wenige Parameter vorhanden, nur das Nötigste, alles in einer Ebene zu finden. Daher braucht es auch keine große Gewöhnungszeit oder langes Studium der Bedienungsanleitung. Die ISO Einstellung und die Belichtungskorrektur sind genial einfach gelöst. Wobei ein ISO-Bereich bis 2500 ASA für eine Vollformatkamera nicht mehr zeitgemäß ist. Die Bedienung ist intuitiv und einfach, so wie ich es noch von früher gewohnt bin. Hier gibt nichts Rätsel auf, keine Überlegungen ob Matrix 3D Messung, AD-C oder AF-S, ob 9 oder 51 Point AF …

 

Einfach Zeitrad auf A, dazu passende Blende einstellen, Ausschnitt festlegen, scharfstellen und abdrücken. Das „I am the Boss“-Gefühl lässt sich noch steigern, wenn man auf die Zeitautomatik verzichtet und die Verschlusszeit manuell einstellt. Mit der minimalistischen Lichtwaage wird dann die korrekte Belichtung festgelegt. Da ich aber, für den Fall daß die Belichtung nicht passt, noch gerne eine Ausrede habe, benutze ich die Zeitautomatik ;-) Will man sich das Bild auf dem Display ansehen wird man feststellen, daß in das Bild zoomen eine kleine Ewigkeit dauert. Leica hat hier Abhilfe beim nächsten Firmware-Update versprochen.

 

Die M9 steht nicht in dem Ruf, eine übermäßig tolle JPEG-Engine zu haben, daher sollte man schwierige Lichtsituationen in RAW fotografieren. Dennoch kann man JPEG in Standardlichtsituationen gut benutzen. Der automatische Weißabgleich bei Mischlicht ist nicht so prall, an meiner Nikon geht das aber auch nicht wirklich besser. Die Bildergebnisse hingegen können einfach nur begeistern. Die Auflösung ist Top – da kommt die Nikon (die für sich betrachtet auch in der Oberliga spielt) nicht mit. Die 100% Ansicht ist absolut klar und sauber. Gedruckte Bilder haben eine Plastizität, die ich von der Nikon so nicht kenne – irgendwie ist die Darstellung räumlicher. Das ist bereits bei A4 Prints erkennbar.

 

Objektive:
Die schönste Kamera ist nichts wert, wenn es an passendem Glas fehlt. Der Objektivbau ist sicherlich die Domäne der Solmser. Es wäre wohl Frevel, Fremdfabrikate an einer M9 zu verwenden. Ein paar Ausnahmen, z.B. das Zeiss 21mm Biogon, sind aber zulässig ;-) Leica hat für die M noch nie Gurken produziert – es können daher auch 30 Jahre alte Objektive an der M9 verwendet werden und diese liefern auch am digitalen VF immer noch eine hohe Performance. Aktuell sind Leica Objektive von 16mm bis 135mm mit Lichtstärken ab 0,95 im Programm. Fremdobjektive gibt es von Zeiss und Voigtländer. Allerdings stehen die VC Linsen im Ruf, eine hohe Serienstreuung zu haben.

Und es gibt auch Gurken im Programm. Dafür sind die Preise aber moderat. Da ich schon Erfahrung mit einer Sucherkamera (Contax G2) hatte habe ich meine Objektivauswahl entsprechend meinem früheren G2-Setup angepasst. 35mm, 50mm und 90mm sind bereits vorhanden, ein 21mm Objektiv muss ich mir noch anschaffen.
Für die Leicaobjektive gilt, daß sie absolut offenblendtauglich sind. Aus Kostengründen habe ich mir keine Summiluxe angeschafft sondern bin bei der „Mittelklasse“ gelandet. Momentan vermisse ich die Blende mehr Lichtstärke aber auch noch nicht wirklich.

 

Fazit:
Mache ich mit der Leica jetzt bessere Bilder als mit der Nikon? Sicher nicht, die Ausschussquote ist sogar höher. Aber ich fotografiere wieder bewusster – und das Fotografieren als solches macht wieder viel mehr Spass. Ich entscheide bewusst was ich will – bei der Nikon programmiere (konfiguriere) ich in erster Linie meinen Fotoautomaten.

 

Die M9 ist für mich aber kein Ersatz zur DSLR, dazu sind die Einsatzmöglichkeiten eines Messsuchers nicht flexibel genug. Die Bildqualität allerdings ist schon beeindruckend und ich mag es einfach, mit einem haptisch derart hochwertigen Gerät zu fotografieren – es birgt schon fast Suchtgefahr! Es ist wie mit einem Cabrio – man braucht es nicht wirklich, aber es macht einfach riesigen Spaß!

 

Wer nähere Information zur Leica M9 sucht, der wird hier fündig.

Abstandshalter
von Chris am 04.04.2010Kommentieren

Kommentare

            

_ber PWM

Photowalkingmunich.de ist eine nichtkommerzielle und markenunabhängige Plattform über die sich Menschen für ein gemeinschaftliches Fotografiererlebnis im Großraum München zusammenfinden sollen. Darüberhinaus werden hier regelmäßig Inhalte (Artikel, Tests, Video etc) rund um die Fotografie angeboten.



Wikio - Top Blog - Fotografie Wikio - Top Blog - Kultur

Twitter

    Photos

    Müll am FahrsteigErfrischungFür unsere RenteNürnberg Hbfhäh?München Hauptbahnhof #1München Hauptbahnhof #2München Hauptbahnhof #3München Hauptbahnhof #4München Hauptbahnhof #5WaitingSecret Door

    blogoscoop