So heute gibt es einen Gastbeitrag von einem StammPhotowalker – Sepp:
Vorneweg – nachdem mich Chris gebeten hatte einen Erfahrungsbericht zur Leica M9 zu erstellen wurde mir schnell klar, dass es nicht mit einem sachlich nüchternen Beitrag abgehen würde – dazu rührt die Cam zu sehr an den Emotionen …
Sollte man mit der M9 liebäugeln muss man sich als erstes klar machen, dass ein Haufen Kohle fällig wird. Es ist nicht nur die Kamera, für die die Solmser einen stattlichen Betrag aufrufen werden. Auch die Objektive sind keine typischen Produkte der „Geiz ist Geil“ Generation. Für ein simples Summicron 2.0/35 werden prohibitive 2300 Euro fällig, von den 8000 Euro für das 0,95/50 Noctilux ganz zu schweigen. 
Dafür gibt es aber auch nur perfekt verarbeitete und lichtstarke Festbrennweiten mit Blendenring und seidenweichem Fokus und überragenden Abbildungsleistungen.
Wie kommt man also zu einer Leica M9?
Als erstes empfehle ich, sich etliche Argumentationsketten zu basteln um das Gewissen wegen der alsbald fälligen Kohle zu beruhigen. Und ja nicht anfangen, in DM umzurechnen, das frustriert nur und hilft nicht weiter. Eine bessere Strategie ist es, z.B. zu hinterfragen, wie viel man schon an die EX Unterhalt gelöhnt hat. Oder die Erkenntnis, daß die Wirtschaftskrise das Aktienpaket erheblich gefleddert hat – das Geld wäre besser in einer M9 angelegt worden. Die Devise „Man lebt nur einmal“ ist auch ein guter Ansatz. Mit etwas Kreativität kriegt man das schon hin. Bei mir kam noch hinzu, dass ich vor langer Zeit schon einmal nah dran war, eine M6 zu kaufen. Weil ich damals schon zu sehr auf das Geld geachtet hatte ist es dann „nur“ eine Contax G2 geworden. Aber die Leica ging mir nie aus den Kopf.
Hat man sich aber erst mal entschlossen, die notleidende deutsche Kameraindustrie zu unterstützen, kommt der entscheidende Schritt: Finde einen Händler, der bereit ist, eine M9 gegen einen Batzen Geld zu tauschen. Nicht, daß die Verkäufer es generell ablehnen würden den Umsatz zu erhöhen. Aber dazu müsste er erst mal in Besitz der Ware sein. Und das ist leider bei den unsäglichen Vertriebsstrukturen, die das Solmser Weltunternehmen aufgebaut hat, nicht so einfach.
Die Tagesproduktion liegt bei manufakturgerechten 40 Stück! Davon gehen, wenn man sich auf die Aussagen im Leica-Forum verlassen kann, 12% in den inländischen Markt. Und diese 4,8 Stück werden irgendwie nach „Best-Beziehung“ zugeteilt. Es ist also viiiiiel telefonieren und warten angesagt um einen aussichtsreichen Platz auf einer Zuteilungsliste zu erhalten. In meinem Fall dauerte es vom 28.09.09 bis 09.01.2010! So ähnlich muss der real existierende Sozialismus funktioniert haben …
Aber dann konnte ich das verspätete Weihnachtsgeschenk entgegen nehmen. Die Freude und die Aufregung war groß – ein bisschen kann ich jetzt die vielen „Unboxing Videos“ auf You-Tube verstehen.
Schwarz lakiert, Vulkanit Belederung, unheimlich solide liegt sie vor mir. Alles ist aus Metall, die Boden- und Deckplatte aus dem Vollen gefräst. Ein haptischer Genuss. Dazu gibt es noch ganze 2 fps, lahme Speicherzeiten, ein lausiges Display und ein gewöhnungsbedürftiges Rauschverhalten. Von USM oder 51 AF Feldern brauchen wir nicht zu reden – so etwas gibt es nicht. Dafür aber auch kein Plastik. Kurz gesagt – es ist eine richtig geile Cam!
So das war der erste Teil des Erfahrungsberichtes von Sepp, bald gibt es die Fortsetzung, also bleibt dran.




















Eine Anmerkung zu den Objektiven. Bei dem Summicron 35 handelt es sich wahrlich nicht um ein “simples” Objektiv. Selbst die Summarit-Serie, welche laut Liste 1250EUR kostet, bietet excellente Leistung fürs Geld. Weiterhin steht dem M-Nutzer ein riesiger Gebrauchtmarkt zur Verfügung, da die Objektive schon seit den 50er hergestellt werden. Der Leica-Traum ist also durch aus realisierbar.